Erfolgsgeschichten: Meena Knierim



Meena Knierim, 52 Jahre alt, Heilpraktikerin für Psychotherapie in ihrer eigenen Praxis, Traumatherapeutin, Qigonglehrerin und Dozentin bei amara.
Meena Knierim Vor Beginn des neuen Psychotraumatologie-Kurses, den sie gemeinsam mit Cathleen Tischoff ab dem 31. Oktober leiten wird, hat unsere Werksstudentin, Katharina Stein, beide Dozentinnen interviewt. 

Katharina Stein: Meena, deine Karriere ist ja wirklich vielfältig. Vor allem die Fülle an Zu- und Fortbildungen, die du im Bereich der Traumatisierungen, aber auch im Qigong und Yin Yoga absolviert hast, sind sehr beeindruckend. Was sind wichtige Dinge, die du in deiner Karriere bislang gelernt hast? 

Meena Knierim: Was ich Berufsstartern immer gerne mitgebe, ist, dass sie das machen sollen, was ihnen wirklich leichtfällt und was ihnen Spaß macht. Ich habe letztens mit einem Klienten gesprochen, der sich als Heilpraktiker gerade selbstständig gemacht hat. Und bei ihm hatte ich das Gefühl, er muss sich so bemühen und alles ist sehr anstrengend für ihn. Wenn man diese Arbeit macht, muss sie einem auch Spaß machen, sonst ist sie zu schwer. Ich habe immer gerne viel ausprobiert und Verschiedenes angeboten und nicht versucht, Leuten etwas aufzudrängen. Wenn in letzter Zeit Klientinnen Lust auf Yin-Yoga hatten, habe ich zum Beispiel angefangen, Yin-Yoga in meiner Praxis anzubieten. 
Ansonsten ist der Kontakt zu Kolleginnen sehr wichtig, Weiterbildungen besuchen und…, nicht besser sein wollen als man ist. Außerdem gibt es einen ganz guten Spruch, der heißt: „Mach deine Arbeit und tritt dann zurück“. Der war besonders wichtig, als ich mal 3 Wochen im Urlaub war. Ich hatte über ein paar Ecken mitbekommen, dass eine Frau währenddessen eine suizidale Krise hatte. Ich habe damals einen Tag gebraucht, bis mir bewusst wurde, dass ich alles getan hatte was ich konnte. Jetzt mache ich meine Arbeit nicht, sondern bin gerade im Urlaub und das ist wichtig – und da muss man auch loslassen können. 

Katharina Stein: Hast du Schwerpunkte, die du in deiner Praxis gelegt hast, bzw. bestimmte Methoden? 

Meena Knierim: Meine Hauptmethode ist das Somatic Experiencing. Mein Hauptschwerpunkt liegt momentan bei Trauma in jeglicher Ausprägung. 

Katharina Stein: Wie bist du damals zu amara und deiner Dozenten-Stelle gekommen? 

Meena Knierim: Das lustigste ist ja, dass ich von 2003 bis 2004 selbst bei amara gelernt habe! Vor der Ausbildung bei amara hatte ich mich schon mit Qigong selbstständig gemacht und auch Akupressur und Wildkräuterkurse sowie Einzelsitzungen durchgeführt. Ich habe damals aber auch schnell gemerkt, dass immer mehr Menschen in die Praxis gekommen sind mit Themen, die gar nicht unbedingt mit Akkupressur und Ernährung behandelbar waren. Dann hat sich mein Lieblings Qigong-Lehrer, Manfred Geißler aus Braunschweig, mal mit mir hingesetzt und wir haben einfach mal überlegt, was ich denn so für Möglichkeiten hätte. Dabei hat er mir gesagt, dass er mir zutrauen würde, als Heilpraktikerin für Psychotherapie zu arbeiten. Das war für mich eine große Ehre, dass ein so gestandener Psychotherapeut mir sagt „Ja, das traue ich dir zu!“. 
Ich habe dann bei amara in Braunschweig die 1-jährige Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht. Schon beim Lernen habe ich gemerkt, dass das etwas ist, das mir wirklich Spaß macht. Danach habe ich in einer psychiatrischen Tagesklinik gearbeitet, in Hamburg den Fachberater für Psychotraumatologie gemacht und eine Gesprächstherapieausbildung. Und eines Tages hat amara, in deren Mailverteiler ich war, mal für eine andere Schule ein Gesuch für Dozenten herumgeschickt. Ich hatte das falsch verstanden; ich dachte, amara sucht eine neue Dozentin! Aber so bin ich mit Hülya ins Gespräch gekommen, was ein ganz lustiger Zufall war. Wir haben uns ein Unterrichtskonzept überlegt und haben von den Teilnehmer*innen des ersten Durchlaufes ein sehr positives Feedback erhalten. Das motiviert natürlich! Dann habe ich mit Cathleen Tischoff gesprochen, die eine sehr kompetente Dozentin ist und sie gefragt, ob sie nicht den ersten Teil der Psychotraumatologie-Weiterbildung übernehmen möchte. Cathleen hat große Lust und hält sich auch in Bezug auf die wichtige Neurobiologie des Traumas auf dem aktuellen Stand. Ich bin sicher, dass wir den Teilnehmer*innen der nächsten Runde gemeinsam wichtige Impulse geben können.

Katharina Stein: Worauf freust du dich besonders, wenn du an den nahenden Kursbeginn denkst? 

Meena Knierim: Einmal freue ich mich generell, weil ich so wahnsinnig neugierig bin. Ich bin immer super gespannt, wie der Werdegang von den Teilnehmenden ist, wie sie zu dem Kurs gekommen sind, was ihre Motivation ist – gerade bei Heilpraktikern für Psychotherapie gibt es da ja die interessantesten Geschichten. Was man gut bei mir lernen kann, ist, gar keine Angst vor Fehlern zu haben. Sich auch zu entschuldigen. Ich sage meinen Klienten immer: „Ich mache auch Fehler und wenn sie sich sehr über etwas ärgern, rufen sie mich gleich an.“, um den Aspekt von Würde und Augenhöhe einzubringen. Wenn das bei den Kursteilnehmenden ankommt, freue ich mich schon sehr, weil das eine Grundlage meiner täglichen Arbeit ist. Außerdem entwerfe ich unheimlich gerne die Konzepte! Ich liebe es, ein Skript zu schreiben und mir zu überlegen, was da reinkommt. Insgesamt sind da schon viele Sachen bei dem Kurs bei, die ich sehr gerne mag. 

Katharina Stein: Das klingt so, als hättest du richtig Vorfreude auf den Kurs! 

Meena Knierim: Ich denke ganz oft „Oh wow, dafür werde ich bezahlt?“. Natürlich nicht bei jeder Sitzung, aber beim Unterrichten ist es eigentlich fast immer so. Ich finde, es ist ein Geschenk, dass Leute mir zutrauen, dass sie etwas von mir lernen können. Das ist nicht selbstverständlich! 

Katharina Stein: Wie würdest du die Psychotraumatologie Fachfortbildung Interessenten beschreiben? Was erwartet die Teilnehmenden, wenn sie sich für eine Anmeldung entscheiden? 
 
Meena Knierim: Sagen wir so: Was erwartet sie nicht? Es erwartet sie kein super trockener Stoff und es erwartet sie nicht, dass sie danach losgehen und jedes Trauma auflösen können. Sondern es erwartet sie, dass sie eine Grundlage kreieren. Dass sie wahrnehmen können, bei welchen Klienten vielleicht eine Traumatisierung ein Auslöser sein könnte. Was die Teilnehmenden noch erwartet, ist viel Selbsterfahrung. Bei Traumata werden immer auch Grenzen verletzt. Wie kann ich diese Grenzen also wiederherstellen? Und es geht natürlich um ganz unterschiedliche Methoden – mit welcher Methode man wann arbeiten kann, wo man sie lernen kann und ob sie in bestimmten Situationen sinnvoll ist. 
Am Ende soll rauskommen, dass man Traumata erkennen kann, keine Angst davor hat, man gleichzeitig seine Fähigkeiten entsprechend einschätzen kann und vielleicht schon die eine oder andere Methode kennt, die man entsprechend einsetzen könnte. Ich denke, das kann man in drei Tagen erreichen.

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